Otto Reutter: „Ick wunder mir über jahnischt mehr.“

Otto Reutters Lieder und Chansons: Bissig, witzig, grotesk.

Eine Reise in das erste Drittel 20. Jahrhunderts mit ab und zu einem kritischen Blick hinter die Kulissen der goldenen Zwanziger Jahre.

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Den mog i! Des is a ganz a Großer!“

soll Karl Valentin über den aus der „tiefsten Provinz“ Mecklenburgs stammenden Otto Reutter gesagt haben.

Ein Volkssänger, der sich in den 10’er und 20’er Jahren nach eigenen Aussagen mit seinen „Jehirnfatzkereien zum Bajazzo empordegradierte“, und der zum höchstbezahlten Berliner König des Kabaretts und der Kleinkunst, zum Philosophen des Couplets, zum schwarz-humorigen Menschenanalytiker wurde.

Kurt Tucholsky schreibt über ihn im Jahr 1921:

„…ein schlecht rasierter Mann mit Stielaugen, der aussieht wie ein Droschkenkutscher, betritt in einem unmöglichen Frack und ausgelatschten Stiefeln das Podium. Er guckt dämlich ins Publikum und hebt ganz leise, so für sich, zu singen an. Diese Leichtigkeit ist unbeschreiblich…

Die Pointen fallen ganz leise wie Schnee bei Windstille…

Die Leute sagen nichts sondern liegen unterm Tisch, und wenn sie wieder hochkommen, dann verbeugt sich da oben ein dicker und bescheidener Mensch, der gar nichts von sich hermacht, obwohl er ein so großer Künstler ist…“

Unter den vielen guten Gründen, Otto Reutter einen Abend zu widmen, ist die ungebrochene, ja manchmal fast erschreckende Aktualität seiner Dichtungen und Couplets nur einer.

 

Textbuch und Couplets